Zwei kleine Kinderportraits (Ölbilder, nicht signiert) im Barockrahmen
Der erste Eindruck beider Bilder muss als akzeptabel
eingestuft werden. Beim genaueren Betrachten fallen jedoch an Bild 1 (links)
größere Abplatzungen der Stuckverzierung auf. Am rechten Rahmen sind Defekte an
zwei Ecken erkennbar. Die Gehrungsschnitte sind teilweise auseinandergewichen
mit Rissbildungen in den Stuckauflagen. Interessant erscheint mir, dass die
wabenförmige Grundstruktur der Rahmenoberfläche zuerst durchgehend angelegt
wurde. Im Anschluss erfolgte die Montage der typischen Barock-Verzierungen.
Auf den Bildern ist gut erkennbar, dass unterhalb der
abgeplatzten Ornamentstrukturen die wabenförmige Grundstruktur der Oberfläche
ebenfalls noch vorliegt.
Nach einer ausführlichen Bilddokumentation können die Ölbilder
aus dem Rahmen genommen werden. Die Fixierung erfolgte mit mehreren
Drahtstiften, die schräg durch den Spannrahmen eingebracht wurden. Die
Bildfläche ist jetzt komplett einsehbar und es fallen direkt zwei
unterschiedlich große ovaläre Bildbegrenzungen auf. Das innere Oval entspricht
genau der vorliegenden Passepartout-Form. Das größere äußere Oval überschreitet
die Außengrenzen des insgesamt rechteckigen Bildträgers und ist nicht glatt
begrenzt. Dies könnte vom Künstler maltechnisch begründet sein, da er das
Portrait für einen größeren ovalären Rahmen geplant hatte (der Arm des Kindes
wurde außerhalb des Ovals nicht mehr vollendet). Eine andere Möglichkeit, die
größere ovaläre Grenze zu erklären, könnte an einer älteren Restaurierung
liegen, bei der es durch die Bearbeitung zu dieser Farbabstufung kam. Die vom
Künstler verwendeten Ölfarben waren nicht sehr lichtecht. Der grünliche Farbcharakter
des Kleides wechselt im lichtgeschützten Randbereich in ein Blau. An mehreren
kleinen Stellen ist es zur Abplatzung von Ölfarbe gekommen. Diese Bereiche
wurden bereits bei einer älteren Restaurierung übermalt, aber ohne vorherigen
Ausgleich des Strukturverlustes. Insgesamt ist
das Leinengewebe des Werkes in einem sehr schlechten Zustand. Im Randbereich,
durch das Passepartout verdeckt, sind mehrere Löcher und an der seitlichen
Fixierung zeigen sich größere substanzielle Defekte. Die Bildoberfläche ist
nicht mehr gespannt. Die innere Begrenzung des Spannrahmens hat sich im
Leinengewebe durchgedrückt.
Die randständigen Leinwanddefekte wurden durch Nagelköpfe
verursacht, welche bei der Fixierung des ovalären, goldfarbenen Passepartouts zur
Anwendung kamen. Der Spannrahmen ist gelockert, mehrere Spannkeile sind
verlorengegangen. Nach der Abnahme der Leinwand zeigt sich, dass nicht nur
Spannkeile fehlen, sondern an anderen Stellen neue eingeschlagen wurden. Durch
diesen Arbeitsschritt kam es teilweise zu Spreizungen des Holzrahmens, welche die
Leinwand zusätzlich ausbeulten.
Die bei der Bildträgerverspannung angebrachten Nägel sind
alle sehr rostig und die meisten brechen beim Entfernen. Die Form der Nägel lässt
auf ältere, noch nicht industriell gefertigte Nägel schließen.
Des Weiteren ist erwähnenswert, dass die beiden Portraits nicht eindeutig für die hier vorliegenden Rahmen gedacht waren. Die beiden Ölbilder haben unterschiedliche Maße und wurden zur optimalen Platzierung in den ovalen Ausschnitt sehr asymmetrisch eingebracht. So wurde die Rahmenfalz an der Unterseite deutlich vergrößert. Der ovaläre Abdruck auf dem Bild ist nicht mittig platziert.
In einem ersten Arbeitsschritt wurden die Werke gesäubert. Auch
bei diesem Arbeitsschritt wird deutlich, dass die Ölbilder bereits zu einem
früheren Zeitpunkt überarbeitet wurden. Ohne Entnahme des Bildes aus dem Rahmen
muss eine lackartige, glänzende Schutzschicht aufgetragen worden sein. Eine
Entfernung der exakt dem ovalären Passepartout angepassten Schicht gelingt mit
Hilfe der von mir angewandten Lösungsmittel nicht. Hier wäre eventuell eine
chemische Analyse und eventuell eine mechanische Abtragung erforderlich. Ob
dieses Vorgehen gerechtfertigt ist, kann ich nicht beurteilen. Nach Anfeuchtung
der Rückseite und Trocknung unter einem gleichmäßigen Anpressdruck für mehrere
Stunden können die Unebenheiten der Leinwand beseitigt werden. Aufgrund des
schlechten Leinwandzustandes entscheide ich mich zu einer kompletten
Doublierung. Mittels PVAc-Kleber wird unter das Bild eine zweite Leinenschicht
aufgebracht und erneut unter leichtem Druck bis zu Trocknung gelagert. Die
Unebenheiten und Instabilitäten der alten Spannrahmung werden beseitigt, so
dass man die kleinen Ölbilder erneut aufziehen kann. Dieser Arbeitsschritt gestaltet
sich, auf Grund der durch die Doublierung entstandenen Steifheit, etwas
mühselig. Außerdem muss ich die Fixierung der alten sehr asymmetrischen
Bildausrichtung anpassen.
Die substanziellen Defekte der Bildoberfläche werden zunächst mit einer Mischung aus gereinigtem Leinöl, Champagnerkreide und Testbenzin geschlossen. Es erfolgt eine Anpassung durch Beimischung von Farbpigmenten (Pastellkreide). Die randständigen, durchgehenden Leinwanddefekte (durch Nagelköpfe verursacht) werden belassen, da sie hinter dem ovalären Passepartout verdeckt sind. Die nach diesem Arbeitsschritt notwendige Trocknungszeit wird genutzt zur Restaurierung der Rahmen. Ein später durchzuführender Firnisauftrag beendet die Überarbeitung des Ölbildes.
Die substanziellen Defekte der Bildoberfläche werden zunächst mit einer Mischung aus gereinigtem Leinöl, Champagnerkreide und Testbenzin geschlossen. Es erfolgt eine Anpassung durch Beimischung von Farbpigmenten (Pastellkreide). Die randständigen, durchgehenden Leinwanddefekte (durch Nagelköpfe verursacht) werden belassen, da sie hinter dem ovalären Passepartout verdeckt sind. Die nach diesem Arbeitsschritt notwendige Trocknungszeit wird genutzt zur Restaurierung der Rahmen. Ein später durchzuführender Firnisauftrag beendet die Überarbeitung des Ölbildes.
Am Rahmen werden zunächst die fixierenden Passepartout-Nägel
zur Vermeidung weiterer Leinwanddefekte entfernt. Ersatzweise trage ich eine
Schicht PVAc Kleber auf.
Nach einer Aufrauhung des Untergrundes erfolgt in den
Bereichen der abgeplatzten Stuckarbeit ein erneuter Aufbau der Verzierungen mittels
lufttrocknender Modelliermasse (Keramiplast).
Eine
verdünnte, mit Pigmenten eingefärbte Leimschicht, sorgt für zusätzliche
Stabilität und eine erste farbliche Anpassung.
Der letzte Arbeitsschritt kann durch den Einsatz einer auf
Wachsbasis hergestellten Goldpaste zu meiner absoluten Zufriedenheit vollendet
werden. Die Rahmen glänzen wieder in voller Pracht, ohne ihre alte, sehr
ansprechende Patina zu verlieren. Die Ölportraits werden wieder eingesetzt und
beide Bilder können zurück in die Galerie gebracht werden.