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Zwei kleine Kinderportraits im Barockrahmen - Pastellmalerei

Dr. Andreas Royé
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Zwei kleine Kinderportraits (Ölbilder, nicht signiert) im Barockrahmen
Der erste Eindruck beider Bilder muss als akzeptabel eingestuft werden. Beim genaueren Betrachten fallen jedoch an Bild 1 (links) größere Abplatzungen der Stuckverzierung auf. Am rechten Rahmen sind Defekte an zwei Ecken erkennbar. Die Gehrungsschnitte sind teilweise auseinandergewichen mit Rissbildungen in den Stuckauflagen. Interessant erscheint mir, dass die wabenförmige Grundstruktur der Rahmenoberfläche zuerst durchgehend angelegt wurde. Im Anschluss erfolgte die Montage der typischen Barock-Verzierungen.
Auf den Bildern ist gut erkennbar, dass unterhalb der abgeplatzten Ornamentstrukturen die wabenförmige Grundstruktur der Oberfläche ebenfalls noch vorliegt.
Nach einer ausführlichen Bilddokumentation können die Ölbilder aus dem Rahmen genommen werden. Die Fixierung erfolgte mit mehreren Drahtstiften, die schräg durch den Spannrahmen eingebracht wurden. Die Bildfläche ist jetzt komplett einsehbar und es fallen direkt zwei unterschiedlich große ovaläre Bildbegrenzungen auf. Das innere Oval entspricht genau der vorliegenden Passepartout-Form. Das größere äußere Oval überschreitet die Außengrenzen des insgesamt rechteckigen Bildträgers und ist nicht glatt begrenzt. Dies könnte vom Künstler maltechnisch begründet sein, da er das Portrait für einen größeren ovalären Rahmen geplant hatte (der Arm des Kindes wurde außerhalb des Ovals nicht mehr vollendet). Eine andere Möglichkeit, die größere ovaläre Grenze zu erklären, könnte an einer älteren Restaurierung liegen, bei der es durch die Bearbeitung zu dieser Farbabstufung kam. Die vom Künstler verwendeten Ölfarben waren nicht sehr lichtecht. Der grünliche Farbcharakter des Kleides wechselt im lichtgeschützten Randbereich in ein Blau. An mehreren kleinen Stellen ist es zur Abplatzung von Ölfarbe gekommen. Diese Bereiche wurden bereits bei einer älteren Restaurierung übermalt, aber ohne vorherigen Ausgleich des Strukturverlustes. Insgesamt ist das Leinengewebe des Werkes in einem sehr schlechten Zustand. Im Randbereich, durch das Passepartout verdeckt, sind mehrere Löcher und an der seitlichen Fixierung zeigen sich größere substanzielle Defekte. Die Bildoberfläche ist nicht mehr gespannt. Die innere Begrenzung des Spannrahmens hat sich im Leinengewebe durchgedrückt.
Die randständigen Leinwanddefekte wurden durch Nagelköpfe verursacht, welche bei der Fixierung des ovalären, goldfarbenen Passepartouts zur Anwendung kamen. Der Spannrahmen ist gelockert, mehrere Spannkeile sind verlorengegangen. Nach der Abnahme der Leinwand zeigt sich, dass nicht nur Spannkeile fehlen, sondern an anderen Stellen neue eingeschlagen wurden. Durch diesen Arbeitsschritt kam es teilweise zu Spreizungen des Holzrahmens, welche die Leinwand zusätzlich ausbeulten.
Die bei der Bildträgerverspannung angebrachten Nägel sind alle sehr rostig und die meisten brechen beim Entfernen. Die Form der Nägel lässt auf ältere, noch nicht industriell gefertigte Nägel schließen.
Des Weiteren ist erwähnenswert, dass die beiden Portraits nicht eindeutig für die hier vorliegenden Rahmen gedacht waren. Die beiden Ölbilder haben unterschiedliche Maße und wurden zur optimalen Platzierung in den ovalen Ausschnitt sehr asymmetrisch eingebracht. So wurde die Rahmenfalz an der Unterseite deutlich vergrößert. Der ovaläre Abdruck auf dem Bild ist nicht mittig platziert.
In einem ersten Arbeitsschritt wurden die Werke gesäubert. Auch bei diesem Arbeitsschritt wird deutlich, dass die Ölbilder bereits zu einem früheren Zeitpunkt überarbeitet wurden. Ohne Entnahme des Bildes aus dem Rahmen muss eine lackartige, glänzende Schutzschicht aufgetragen worden sein. Eine Entfernung der exakt dem ovalären Passepartout angepassten Schicht gelingt mit Hilfe der von mir angewandten Lösungsmittel nicht. Hier wäre eventuell eine chemische Analyse und eventuell eine mechanische Abtragung erforderlich. Ob dieses Vorgehen gerechtfertigt ist, kann ich nicht beurteilen. Nach Anfeuchtung der Rückseite und Trocknung unter einem gleichmäßigen Anpressdruck für mehrere Stunden können die Unebenheiten der Leinwand beseitigt werden. Aufgrund des schlechten Leinwandzustandes entscheide ich mich zu einer kompletten Doublierung. Mittels PVAc-Kleber wird unter das Bild eine zweite Leinenschicht aufgebracht und erneut unter leichtem Druck bis zu Trocknung gelagert. Die Unebenheiten und Instabilitäten der alten Spannrahmung werden beseitigt, so dass man die kleinen Ölbilder erneut aufziehen kann. Dieser Arbeitsschritt gestaltet sich, auf Grund der durch die Doublierung entstandenen Steifheit, etwas mühselig. Außerdem muss ich die Fixierung der alten sehr asymmetrischen Bildausrichtung anpassen.  
Die substanziellen Defekte der Bildoberfläche werden zunächst mit einer Mischung aus gereinigtem Leinöl, Champagnerkreide und Testbenzin geschlossen. Es erfolgt eine Anpassung durch Beimischung von Farbpigmenten (Pastellkreide). Die randständigen, durchgehenden Leinwanddefekte (durch Nagelköpfe verursacht) werden belassen, da sie hinter dem ovalären Passepartout verdeckt sind. Die nach diesem Arbeitsschritt notwendige Trocknungszeit wird genutzt zur Restaurierung der Rahmen. Ein später durchzuführender Firnisauftrag beendet die Überarbeitung des Ölbildes.
Am Rahmen werden zunächst die fixierenden Passepartout-Nägel zur Vermeidung weiterer Leinwanddefekte entfernt. Ersatzweise trage ich eine Schicht PVAc Kleber auf.
Nach einer Aufrauhung des Untergrundes erfolgt in den Bereichen der abgeplatzten Stuckarbeit ein erneuter Aufbau der Verzierungen mittels lufttrocknender Modelliermasse (Keramiplast).
Eine verdünnte, mit Pigmenten eingefärbte Leimschicht, sorgt für zusätzliche Stabilität und eine erste farbliche Anpassung.
Der letzte Arbeitsschritt kann durch den Einsatz einer auf Wachsbasis hergestellten Goldpaste zu meiner absoluten Zufriedenheit vollendet werden. Die Rahmen glänzen wieder in voller Pracht, ohne ihre alte, sehr ansprechende Patina zu verlieren. Die Ölportraits werden wieder eingesetzt und beide Bilder können zurück in die Galerie gebracht werden.
letzte Aktualisierung: 10.08.2025
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