Restauration alter Bilderrahmen (von Andreas Royé 2025)
Wer selber Bilder malt oder Freude an schönen Bildern hat,
beschäftigt sich zwangsläufig auch mit deren Präsentation. Diese beginnt mit
der Auswahl des Bilderrahmens und endet mit der Einstellung einer optimalen
Beleuchtung, sei es bei einer Ausstellung oder auch in den eigenen vier Wänden.
Die meisten meiner Pastellwerke erhalten einen Rahmen aus eigener Werkstatt.
Durch meine Zusammenarbeit mit einer Galerie komme ich immer öfter in Kontakt
mit alten Bilderrahmen des letzten Jahrhunderts. Mittlerweile üben sie einen
besonderen Reiz auf mich aus und mir gefällt die Kombination von Rahmen
verschiedener Zeitepochen.
Ältere Bilderrahmen weisen nicht selten Schäden auf - entstanden
durch Unachtsamkeit, schlechte Lagerung, Feuchtigkeit oder einfach nur
Abnutzungen durch den Zahn der Zeit. Die Schäden betreffen meistens die teils
aufwendigen Stuckarbeiten, Zierleisten oder Abstoßungen an den Ecken.


Meine Meinung über alte Handwerkskunst ist sehr positiv.
Beim Betrachten manch alter Rahmen scheint diese Regel nicht immer auf die
Kunst des Rahmenmachers zuzutreffen. Die Gehrungsschnitte sind nicht selten ungenau,
die Ecken oft nicht verleimt, sondern nur genagelt! Die Fixierung des
Kunstwerkes im Rahmen lässt ebenso feinmotorische Methoden vermissen. So sind häufig
die gespannten Leinwände alter Ölbilder mit Nägeln fixiert, teils durch die
Leinwände hindurch. Auch bei der Aufhängevorrichtung findet sich selten ansprechende
Lösungen. Eine in die Holzleiste eingeschraubte Öse erfüllt die Aufgabe der Hängung.
Sie sollte bei der Lagerung alter Bilder aber entfernt werden, da die
überstehende Öse deutliche Schäden am angrenzend gelagerten Bild macht.
Hier weitere Bildbeispiele von Rahmendefekten.




Manche der hier gezeigten Schäden waren sehr instabil und
teilweise kam es zu weiteren Abplatzungen trotz vorsichtigen Transports. Der
erste restauratorische Arbeitsschritt bestand daher in einer sicheren Fixierung
des Ist-Zustandes. Zu diesem Zweck habe ich die Defektbereiche oder auch sichtbare
kleine Rissbildungen mit verdünntem Weißleim eingestrichen. Nach dem Abtrocknen
konnten die weiteren Arbeitsschritte beginnen ohne neue Absplitterungen zu
verursachen.
Bei vielen Rahmen fanden sich in den Eckverbindungen
kleinere oder größere Leistenabstände. Diese waren durch ungenaue
Gehrungsschnitte oder durch eine Lockerung der Nagelverbindung verursacht. Der
zweite Arbeitsschritt bestand daher in einer vorsichtigen Trennung der
Eckverbindungen. Bei den einzelnen Leisten ließen sich auf diesem Wege auch die
abgebrochenen Stuckarbeiten besser ergänzen. Bei grob fehlerhaften Winkeln
wurden diese vorsichtig mit der Gehrungssäge korrigiert. Hierbei musste
berücksichtigt werden, dass sich bei deutlichen Fehlerkorrekturen die
Rahmengröße veränderte oder auch kleinere Abplatzungen an den teils brüchigen
Stuckarbeiten entstanden. An kleineren Stuckdefekten oder geradlinigen Kantenabplatzungen
erfolgte mittels Stuckgips ein direkter Aufbau. Mit Messer und Schleifpapier
erfolgte die Glättung und eine übergangslose Anpassung. Bei komplexeren mit
Mustern versehenen Profilen war der Aufwand wesentlich größer. Hier habe ich
von einem noch intakten Profilabschnitt einen Silikonabdruck angefertigt und
diesen mehrfach durch Gipsfüllungen reproduziert. Hierdurch konnte ich einen
langstreckigen Defekt durch das Einsetzen mehrerer angepasster Gipselemente
wieder aufbauen. Die Verbindungsnähte sind durch eine Masse aus Weißleim und
Champagnerkreide angeglichen und überbrückt worden. Nach grober Fertigstellung
der Bilderleisten habe ich den Rahmen wieder verleimt und die Eckverbindungen
durch kleine Holzdübel absichert. Auf der Vorderseite erfolgte eine exakte
Anpassung der Eckverbindungen. Neben Angleichung leichter Ungenauigkeiten waren
teils sehr aufwendige Aufbauarbeiten gemusterter Eck-Profile erforderlich.




Mittels stark verdünntem und
mit dunkler Beize eingefärbtem Weißleim erfolgte die Stabilisierung und eine
erste farbliche Anpassung der neu aufgebauten Profilleisten. Die Komplettierung
der Farbgestaltung musste den unterschiedlichen Gegebenheiten angepasst werden.
Neben goldfarbenen Lacken habe ich zu diesem Zweck auch meine Pastellkreiden benutzt.
Letztere wurden durch das Beimischen von Leinöl zu Ölfarben umgewandelt. Die
Zielsetzung war stets, den alten Bilderrahmencharakter und die Patina zu
erhalten.

